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Kandidaten 2026

Wer soll den rostigen Paragraphen 2026 bekommen?

Stimmen Sie unten für Ihren Favoriten ab.

2026 – Esther Keller, Regierungsrätin / Vorsteherin Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt

Kantonaler Velo-Animator für Basel

Der öffentliche Sektor wächst ungebremst. Allein in Bundesbern sollen dieses Jahr über 350 neue Vollzeitstellen geschaffen werden. Der Personalbestand liegt bereits bei 39’000 Stellen. Noch stärker wächst die Verwaltung im Kanton Basel-Stadt: Seit 2014 hat die Zahl der Staatsangestellten um mehr als 25% zugenommen, während die Bevölkerung nur um 6% gewachsen ist. Im vergangenen Jahr kamen über 200 zusätzliche Stellen hinzu. Insgesamt beschäftigt der Kanton heute rund 11’500 Staatsbedienstete.

Hat jemand eine Idee für eine neue Staatsaufgabe, wird dafür auch gleich eine neue Stelle geschaffen – mit abenteuerlichem Tätigkeitsbeschrieb. So schrieb der Regierungsrat Ende 2025 eine neue befristete Teilzeitstelle als «Velo-Animator» aus. Dieser soll die Verwaltungsangestellten dazu bewegen, ihren Arbeitsweg nicht mehr mit dem Auto, sondern per Velo, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuss zu bewältigen. «Diese Person wird Sensibilisierungsmassnahmen umsetzen und den Mitarbeitenden Informationen über ein nachhaltiges Verkehrsverhalten zur Verfügung stellen», erklärt die Kantonsregierung. Jeder Velofahrer soll eine Velo-Pauschale von 150 Franken pro Jahr erhalten. Zudem soll die Zahl der Parkplätze reduziert und Flugreisen unter 1’000 Kilometern verboten werden.

«Für die Umsetzung des Mobilitätsmanagements in der Verwaltung wird in den nächsten fünf Jahren eine befristete Teilzeitstelle notwendig sein», heisst es im Communiqué des Regierungsrats. Dafür soll ein Kredit von gegen 2 Mio. Franken gesprochen werden. Dies alles kann man sicher auch positiv sehen: Einem Land, das Velo-Animatoren anstellen kann, geht es offensichtlich wirklich gut.

2026 – Michael Schmid, Gemeinderat AL, Zürich

Verbot von Plakatwerbung im öffentlichen Raum

Werbung ist ein grundlegendes Problem unserer Konsumgesellschaft – so die Sichtweise der linksgrünen Mehrheit im Zürcher Stadtparlament. Die «ständigen Manipulationsversuche durch Werbeversprechen» seien gefährlich. Daher soll künftig die Werbung im öffentlichen Raum eingeschränkt oder verboten werden. Dies beschloss der Zürcher Gemeinderat mit 58 zu 57 Stimmen.

Nun muss die Stadtregierung eine neue Reklameverordnung ausarbeiten. Digitale Werbebildschirme im öffentlichen Raum sind nicht mehr erlaubt – ebenso Stellen an privaten Häusern oder in Schaufenstern, die vom öffentlichen Raum aus sichtbar sind. Plakate mit kommerzieller Werbung werden ebenfalls verboten, da diese die «Konsumkultur» anheizen und so «zahlreiche negative gesellschaftliche Folgen» mit sich bringen würden. Diese Verbote sollen auch für Trams und Bahnhöfe auf Stadtgebiet gelten, denn diese Bereiche sind laut den Initianten alle «öffentlich». Allein im öffentlichen Raum geht es um 3’000 kommerzielle Plakatflächen und Werbeanlagen, darunter 342 digitale Werbebildschirme und 31 Plakat-Leuchtdrehsäulen.

Für die Stadt Zürich stehen Einnahmen von 28 Millionen Franken pro Jahr auf dem Spiel. Dies, aber auch verschiedene rechtliche Fragen, werden im nächsten Jahr noch einmal für eine spannende Debatte sorgen. Direkt betroffen von den Einnahmeausfällen sind die Zürcher Verkehrsbetriebe, denn an Bus- und Tramhaltestellen befinden sich überdurchschnittlich viele Plakatstellen. Ob den linksgrünen Parlamentariern bewusst ist, dass sie mit ihrer Aktion direkt dem öffentlichen Verkehr schaden?

2026 – Oleg Gafner, Grossrat Grüne, Waadt

Promillegrenze für Parlamentarier

Immer wieder ärgern sich Parlamentarier über ihre Kollegen und fragen sich, ob ihnen der Verstand und der politische Weitblick abhandengekommen seien. Oleg Gafner, ein junger grüner Waadtländer Grossrat, hat sich mit diesen Fragen beschäftigt. Ihm ist nun klar, woher die Fehlentscheide kommen: Schuld ist der Alkohol.

In der Cafeteria des Waadtländer Kantonsparlaments sah er nämlich spätmorgens Kollegen beieinandersitzen und Wein trinken. Mehrere Flaschen seien auf dem Tisch gestanden, während über ganz andere Themen als Politik diskutiert worden sei. Für Gafner eine unerträgliche Situation. Alkohol sei sowieso gefährlich: Jeder fünfte Schweizer habe ein Alkoholproblem. Gerade in einem Weinbaukanton wie dem Kanton Waadt sei das Verhältnis zu psychoaktiven Substanzen wie Alkohol sehr heikel. 

In der Privatwirtschaft sei alles klar geregelt: Der Arbeitgeber könne den Alkoholkonsum am Arbeitsplatz einschränken oder verbieten. Derweil gebe es im Grossen Rat kein Gesetz über den Umgang der Parlamentarier mit Alkohol. Dies sei problematisch, denn übermässiger Alkoholkonsum beeinträchtige das Urteilsvermögen und die Realitätswahrnehmung. Daher fordert er eine Promillegrenze im Parlament – analog zum Strassenverkehrsrecht. Wie dies kontrolliert werden soll und welche Konsequenzen ein Verstoss hätte, ist noch unklar. Ebenso stellt sich die Frage: Gibt es nicht auch Parlamentarier, welche absolut nüchtern sind und trotzdem falsch stimmen? 

2026 – Jean-Michel Cina, Präsident Interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa)

Säulirennen sind keine Sportwetten

Was für vornehme Briten die Pferderennen in Ascot, ist für bescheidene, bodenständige Schweizer das Säulirennen an der OLMA. Der Wettstreit der kleinen Schweinchen ist ein Publikumsmagnet und hat bereits Kultstatus. Und ähnlich wie in Ascot wird auf die flinken Ferkel gewettet. Kaum ist der Startschuss ertönt, breiten sich Nervosität, Spannung und Begeisterung aus. Kurzum: Das Säulirennen gehört zur OLMA wie die Bratwurst, der Umzug und die Viehschau.

Selbstverständlich braucht es – wie für fast alles in der Schweiz – auch für dieses Ereignis eine Bewilligung. Während vieler Jahre hat die OLMA das Säulirennen als Sportwette deklariert. Dies will die interkantonale Geldspielaufsicht (Gespa) nicht mehr akzeptieren: Da die OLMA kein Sportanlass ist, kann das Schweinerennen nicht als Sportwette gelten. Mit dem neuen Geldspielgesetz fällt das Säulirennen in die Kategorie der Kleinlotterien.

Nachdem das St. Galler Volkswirtschaftsdepartement wie auch das Verwaltungsgericht die Beschwerde der Geldspielaufsicht abgewiesen hatten, landete diese vor Bundesgericht. Dieses gab der Gespa recht: Das Verwaltungsgericht müsse prüfen, ob das OLMA-Säulirennen tatsächlich eine Sportwette sei oder ob es als Lotterie oder Glücksspiel qualifiziert werden müsse. Eine Bürokratie sondergleichen.

Beruhigend zu wissen: Auf die Durchführung der Säulirennen hat dieser Entscheid keine Auswirkung. Die Ferkel rennen auch künftig um die Wette, und der Reinerlös kommt einer wohltätigen Organisation zugute.

2026 – Dr. Corinne Jud Khan, Direktorin Acroscope

Veganes Raclette

Raclette gehört zur Schweiz wie das Rütli oder Wilhelm Tell. Im Kanton Wallis gibt es mit Eddy Baillifard sogar einen offiziellen Raclette-Botschafter. Für ihn ist klar: Raclette-Käse muss aus Walliser Rohmilch sein und darf keine Aromastoffe enthalten. Raclette isst man mit kleinen Kartoffeln, Cornichons und Silberzwiebeln – Paprika oder Gewürzmischungen sind tabu.

Ganz anders sieht dies Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für landwirtschaftliche Forschung. Die Forschungsanstalt hat für rund eine halbe Million Franken untersucht, wie man aus Sonnenblumenkernen Raclette herstellen kann. Diese pflanzliche Raclette-Alternative wiederum sorgte für Ärger im Bundeshaus: Wenn sich Agroscope um Raclette-Alternative auf Basis von Sonnenblumenpresskuchen kümmere, werfe dies Fragen zu den Schwerpunkten der Forschungsanstalt und zur Rolle des Bundes auf. Denn solche Produkte seien eine direkte Konkurrenz zu Schweizer Landwirtschaftsprodukten – so formulierte es die Walliser Ständerätin Marianne Maret. 

Der Bundesrat verteidigte sich: Es handle sich hier um ein privates Projekt, das Agroscope nur am Rande mitfinanziert habe. Zwar sei eine gesunde und nachhaltige Ernährung durchaus ein Schwerpunkt in der Tätigkeit von Agroscope, aber solche Produkte werde die Anstalt weder selbst herstellen noch vermarkten. Ob dies die Walliser Raclette-Fans beruhigt?